Zum Inhalt springen

AI Act für den Mittelstand: Warum ein KI‑Inventar der erste Schritt ist

Wer KI im Haus einsetzt, braucht zuerst ein sauberes KI‑Inventar: Anwendungsfälle, Datenflüsse, Verantwortliche, Kontrollstufe, Nachweise. Eine kleine interne Mini‑App macht das in 14 Tagen nachprüfbar — unabhängig davon, welche Frist des EU AI Act als Nächstes greift.

Attila Arndt
Attila Arndt

Triple A Digital, Köln · · 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert am

Für wen
Geschäftsführung, IT und Datenschutz im Mittelstand, die wissen müssen, welche KI im Haus im Einsatz ist.
Was du danach kannst
Ein KI-Inventar mit den Feldern aus Checkliste 1 anlegen und in 14 Tagen zum ersten kontrollierten Anwendungsfall kommen.
Stand
September 2026
Kurz gesagt

Der wichtigste AI‑Act‑Schritt für Mittelstand‑Teams ist nicht „Paragrafen lesen“. Es ist: Wissen, welche KI du überhaupt im Einsatz hast (Anwendungsfälle, Daten, Tools, Verantwortliche, Kontrollstufe). Ohne KI‑Inventar wirst du Compliance nicht „nachholen“, sondern im Chaos ersaufen.

Primärquelle: Ab wann gilt was?

Die Verordnung (EU) 2024/1689 gilt ab dem 2. August 2026, einzelne Stufen greifen früher — unter anderem am 2. Februar 2025 und am 2. August 2025. Nachlesen kannst du das in der EUR‑Lex‑Zusammenfassung zur Verordnung und bei Artikel 113, den der AI Act Service Desk erläutert.

Nachtrag vom 12. September 2026: Der Zeitplan hat sich verschoben

Dieser Beitrag ist im März 2026 erschienen. Seitdem hat sich die Rechtslage an drei Stellen geändert, und zwar zugunsten der Unternehmen:

Die Pflichten für Hochrisiko‑Systeme greifen später. Mit der Änderungsverordnung (EU) 2026/1744 („Digital Omnibus on AI", in Kraft seit 27. Juli 2026) wurden sie auf den 2. Dezember 2027 verschoben; für KI in regulierten Produkten nach Anhang I sogar auf den 2. August 2028. Zugleich ist die Hochrisiko‑Definition enger gefasst worden.

Die Transparenzpflichten gelten dagegen wie geplant seit dem 2. August 2026. Wer einen Chatbot betreibt oder KI‑generierte Bilder und Videos veröffentlicht, muss das kenntlich machen — das trifft auch Unternehmen, die KI nur einsetzen und nicht selbst entwickeln.

In Deutschland ist die Bundesnetzagentur zuständig. Das KI‑Marktüberwachungs‑ und Innovationsförderungsgesetz (KI‑MIG) ist am 29. Juli 2026 in Kraft getreten. Die Behörde betreibt einen Service‑Desk, ein Online‑Werkzeug zur ersten Einschätzung der Risikoklasse und ein KI‑Reallabor. Kleine und mittlere Unternehmen sind dabei ausdrücklich die Zielgruppe.

Was das für dieses Vorhaben bedeutet: nichts. Ein KI‑Inventar ist nicht deshalb sinnvoll, weil eine Frist drückt, sondern weil niemand einen Ablauf steuern kann, den er nicht kennt. Die verschobene Frist verschafft dir Zeit — sie nimmt dir die Aufgabe nicht ab.

Quellen: Bundesnetzagentur zum KI‑MIG · KI‑MIG im Volltext · Übersicht der Änderungen

Hinweis: Keine Rechtsberatung. Hier geht’s um Umsetzung und Prozessgestaltung.

2026 fragt dich keiner „Nutzt du KI?“ – sondern „Wo genau und wie kontrolliert?“

In echten Mittelstandsbetrieben sieht es oft so aus: KI steckt in Online‑Software (SaaS), in Browser‑Erweiterungen, in „Testzugängen“ und in Automatisierungen. Die Daten dafür fließen über E‑Mail, CRM, Tickets und Dateien, manchmal sind personenbezogene darunter. Und die Entscheidungen sind in Wahrheit halbautomatisch — die KI schreibt, der Mensch klickt trotzdem schnell auf Senden.

Das Risiko ist nicht das Modell. Das Risiko ist fehlende Übersicht + fehlender Nachweis, dass du steuerst.

Was heute im Betrieb passiert — und was das Inventar davon festhält
Tools
Heute im BetriebKI steckt in Online-Software, Browser-Erweiterungen, Testzugängen und Automatisierungen.
Im KI-InventarTool, Anbieter und Hosting je Anwendungsfall — auch für das, was inoffiziell im Umlauf ist.
Daten
Heute im BetriebDie Daten fließen über E-Mail, CRM, Tickets und Dateien, manchmal sind personenbezogene darunter.
Im KI-InventarDatenquellen und Datenarten: öffentlich, intern, vertraulich, personenbezogen.
Entscheidungen
Heute im BetriebHalbautomatisch: Die KI schreibt, der Mensch klickt trotzdem schnell auf Senden.
Im KI-InventarKontrollstufe von Assistenz bis kritisch — und die Stelle, an der ein Mensch freigibt.
Nachweis
Heute im BetriebEs fehlt der Nachweis, dass du steuerst.
Im KI-InventarProtokollierung, Aufbewahrung und Nachweise als Links oder Dateien.
Jede Angabe der rechten Spalte steht in Checkliste 1 weiter unten.

Das 80/20‑System: Ein KI‑Inventar als interne Mini‑App

Ein KI‑Inventar ist kein Excel, das nach zwei Wochen stirbt. Es ist eine kleine interne App mit drei Aufgaben.

Drei Aufgaben der Mini-App
  1. 01
    ErfassenWelche KI-Anwendungsfälle es überhaupt gibt — aus Online-Software, Browser-Erweiterungen, Testzugängen und Automatisierungen.
  2. 02
    EinordnenJeden Anwendungsfall nach Kontrollstufe und Risikomerkmalen.
  3. 03
    NachweisenMit Belegen und einem Prüfpfad: wer hat was wann freigegeben.
Die Liste darunter zeigt, welche Angaben je Anwendungsfall dafür reichen.

Das Datenmodell dahinter darf pragmatisch bleiben. Diese Angaben je Anwendungsfall reichen:

  • Name des Anwendungsfalls + Ziel (1 Satz)
  • Verantwortliche (Fachbereich) + Prüfer (IT/IT‑Sicherheit/DSB)
  • Eingabedaten (öffentlich/intern/vertraulich/personenbezogen)
  • Tool/Anbieter + Hosting/Region (wenn bekannt)
  • Art des Ergebnisses (intern/extern) + Fehlerfolgen
  • Kontrollstufe (Entwurf/Assistenz → Teilautomatisierung → kritisch)
  • Protokollierung/Aufbewahrung (was wird wie lange gespeichert?)
  • Nachweise als Links/Dateien (AVV, DSFA‑Unterlagen, Freigaben)

Was du NICHT brauchst (und was du brauchst)

Für den Start brauchst du keine hundertprozentig perfekte juristische Klassifizierung, keine sechzigseitigen Richtlinien und kein „KI‑Kompetenzzentrum“, das als Organigramm in einer Präsentation lebt.

Was du brauchst, ist eine zentrale Anlaufstelle, an der alle KI‑Anwendungsfälle landen. Dazu klare Zuständigkeiten: wer operativ haftet und wer prüft. Freigabepunkte, an denen entschieden wird, ob ein Pilot starten darf oder nicht. Und Nachweise, aus denen hervorgeht, warum du „ja“ gesagt hast.

Checkliste 1: Felder im KI‑Inventar (zum Kopieren)

KI-Inventar: Minimaler Datensatz pro Anwendungsfall
  • Name des Anwendungsfalls + Ziel (1 Satz)
  • Verantwortliche Person (Fachbereich) + Stellvertreter
  • Nutzergruppe (wer nutzt es?)
  • Tool/Anbieter/Modell (wenn bekannt)
  • Datenquellen (E‑Mail/CRM/Dateien/Datenbank/API)
  • Datenarten: öffentlich / intern / vertraulich / personenbezogen
  • Ergebnis: intern oder extern (Kunde/Partner)
  • Freigabe durch einen Menschen (an welcher Stelle?)
  • Automatisierungsgrad (Assistenz / Teilprozess / Entscheidung)
  • Protokollierung: was wird festgehalten? (Eingaben/Ergebnisse/Prompts/IDs)
  • Aufbewahrung: wie lange? wer hat Zugriff?
  • Risikomerkmale (z. B. Auswirkungen auf Menschen, personenbezogene Daten, extern)
  • Nachweise: Links/Dateien (AVV, DSFA, Freigaben)

Checkliste 2: Bereit für den AI Act in 14 Tagen (realistisch)

14-Tage-Plan: Inventar + Grundgerüst für die Governance
  • Tag 1–2: 15–30 Anwendungsfälle einsammeln (Workshop + nach Schatten‑KI fragen)
  • Tag 3–4: Datenmodell der Mini‑App + Rollen (Verantwortliche/Prüfer) festzurren
  • Tag 5–7: Freigabeablauf bauen (Eingereicht → In Prüfung → Pilot → Freigegeben/Abgelehnt)
  • Tag 8–9: Nachweisablage + Prüfpfad (wer hat was wann freigegeben)
  • Tag 10–11: Einstufungsassistent (Risikomerkmale + Standard‑Kontrollstufe)
  • Tag 12–14: Leitfaden für Pilotprojekte (Gebote und Verbote, Datenregeln, Protokollierung) + Einweisung des Teams

Die KI‑Inventar‑Mini‑App bauen lassen

Wenn du 2026 nicht im Blindflug sein willst

Schick mir:

  • deine Top 10 Prozesse, wo KI „irgendwo“ genutzt wird
  • welche Tools gerade im Umlauf sind (auch inoffiziell)
  • wer bei dir in IT, IT‑Sicherheit und Datenschutz (DSB) prüft

Ich liefere in 7–14 Tagen eine interne KI‑Inventar‑Mini‑App, deren Oberfläche auf Deutsch oder Englisch laufen kann, dazu den Freigabeablauf mit Prüfpfad und Vorlagen für typische Anwendungsfälle im Mittelstand: Hilfe beim E‑Mail‑Schreiben, Antwortentwürfe für den Kundendienst, Dokumente.

Fragen dazu

Kurz beantwortet

Reicht für ein KI‑Inventar nicht eine Tabelle?

Ein KI‑Inventar ist kein Excel, das nach zwei Wochen stirbt. Es ist eine kleine interne App mit drei Aufgaben: erfassen, einordnen, nachweisen — mit einem Prüfpfad, der festhält, wer was wann freigegeben hat.

Welche Angaben braucht ein Anwendungsfall mindestens?

Name und Ziel in einem Satz, Verantwortliche und Prüfer, die Eingabedaten, Tool und Anbieter samt Hosting, die Art des Ergebnisses, die Kontrollstufe sowie Protokollierung und Aufbewahrung — dazu die Nachweise als Links oder Dateien.

Muss ich jetzt noch etwas tun, wenn die Fristen verschoben sind?

Für das Inventar ändert die Verschiebung nichts: Sie verschafft dir Zeit, sie nimmt dir die Aufgabe nicht ab. Niemand kann einen Ablauf steuern, den er nicht kennt. Welche Pflicht wann greift, steht im Nachtrag oben samt Quellen.

Passend dazu

Was ich in diesem Bereich mache


Weiterlesen

Attila Arndt

Attila Arndt · Triple A Digital, Köln

Steckt so ein Ablauf auch in deinem Betrieb?

Such dir einen Termin aus. Im Erstgespräch klären wir, welcher Ablauf sich zuerst lohnt — und ob ich der Richtige dafür bin.

Kostenloses Erstgespräch (öffnet in einem neuen Fenster)

Oder direkt per E-Mail: hello@tripleadigital.de · Antwort innerhalb von 48 Stunden.