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KI‑Anwendungsfälle erfassen nach EU AI Act: Mit einer Mini‑App von „KI mal testen“ zu nachprüfbarer Umsetzung

Wenn jede Abteilung ihr eigenes KI‑Tool testet, entstehen Risiko, Wildwuchs und Blockade durch Rechtsabteilung und IT. Eine kleine interne Erfassungs‑App für KI‑Ideen macht Anwendungsfälle sichtbar, ordnet sie grob nach Risiko ein, sammelt Nachweise und bringt Teams in 14 Tagen in einen kontrollierten Pilotbetrieb.

Attila Arndt
Attila Arndt

Triple A Digital, Köln · · 3 Min. Lesezeit

Für wen
IT, Datenschutz und Fachbereiche, in denen jede Abteilung ihre eigenen KI-Werkzeuge testet.
Was du danach kannst
Einen festen Eingang für KI-Ideen aufsetzen, jeden Fall grob nach Risiko einordnen und Piloten mit klarer Freigabe starten.
Stand
März 2026
Kurz gesagt

Im Mittelstand scheitert KI selten am Modell – sondern am Chaos: Tools, Daten, Verantwortliche, Freigaben. Bau eine kleine interne Erfassungs‑App für KI‑Ideen, die Anwendungsfälle einsammelt, grob einordnet, Verantwortliche festlegt und Nachweise dokumentiert. Damit bekommst du Tempo + Kontrolle statt „KI‑Verbot oder Wildwuchs“.

Primärquelle (kurz, aber wichtig)

Die EU hat mit der AI Act Verordnung (EU) 2024/1689 ein risikobasiertes Regelwerk für KI geschaffen. Für Mittelstand‑Teams ist das Entscheidende: Du brauchst einen Weg, KI‑Anwendungsfälle zu erfassen und nach Risiko und Tragweite zu behandeln – bevor du skalierst. Die Primärquelle dazu ist der EU AI Act, Verordnung (EU) 2024/1689, auf EUR‑Lex.

Hinweis: Keine Rechtsberatung. Das hier ist Prozess‑/Umsetzungshilfe.

„KI im Team“ wird zur Schatten‑IT

Was 2026 oft passiert: Das Marketing nutzt drei Tools, der Vertrieb zwei, die Personalabteilung noch eins. Keiner weiß, welche Daten hineingehen, wer verantwortlich ist und wie bewertet wird. Rechtsabteilung und IT reagieren mit Stoppschildern („bitte erstmal klären…“) — und alle sind frustriert.

Bessere Lösung: Nicht „KI erlauben/verbieten“, sondern einen festen Eingang für KI‑Ideen bauen.

Wildwuchs und Stoppschilder — oder ein Eingang
Ort
Ohne EingangDas Marketing nutzt drei Tools, der Vertrieb zwei, die Personalabteilung noch eins.
Mit der Erfassungs-AppJede KI-Idee hat einen Ort: ein Formular als einheitlicher Eingang.
Verantwortung
Ohne EingangKeiner weiß, wer verantwortlich ist.
Mit der Erfassungs-AppEine verantwortliche Person je Idee, dazu Prüfer aus Fachbereich, IT und Datenschutz.
Stand
Ohne EingangRechtsabteilung und IT reagieren mit Stoppschildern („bitte erstmal klären…“).
Mit der Erfassungs-AppEin Status: eingereicht, in Prüfung, Pilot, freigegeben oder abgelehnt.
Nachweise
Ohne EingangKeiner weiß, welche Daten hineingehen und wie bewertet wird.
Mit der Erfassungs-AppGesammelte Nachweise: Links, Verträge, DSFA-Unterlagen, Freigabeprotokoll.
Die fünf Bausteine im nächsten Abschnitt bauen genau diese rechte Spalte.

Das Minimal‑System: Die Erfassungs‑App als einzige Anlaufstelle

Ziel: Jede KI‑Idee hat einen Ort, eine verantwortliche Person, einen Status und gesammelte Nachweise.

Dafür reichen fünf Bausteine.

Fünf Bausteine der Erfassungs-App
  1. 01
    Formular für AnwendungsfälleFragt Zweck, Nutzer, Datenarten, Anbieter oder Modell und das erwartete Ergebnis ab.
  2. 02
    Grobe Risiko-EinstufungSortiert jeden Fall nach niedrig, mittel, hoch oder unklar.
  3. 03
    Verantwortliche und FreigabenHalten fest, wer aus Fachbereich, IT und Datenschutz oder IT-Sicherheit mitspricht.
  4. 04
    Freigabe für den PilotSagt, dass getestet werden darf — aber nur mit klaren Regeln.
  5. 05
    NachweisablageSammelt Links, Verträge, DSFA-Unterlagen und das Freigabeprotokoll.
Zusammen sorgen sie für das Ziel darüber: ein Ort, eine verantwortliche Person, ein Status, gesammelte Nachweise.

Wie die Einstufung praktisch aussieht (ohne juristisches Großprojekt)

Du brauchst keine perfekte automatische Rechtsprüfung – du brauchst frühe Signale.

Gute Fragen für die Einstufung:

  • Verarbeitet der Anwendungsfall personenbezogene Daten oder vertrauliche Infos?
  • Beeinflusst KI Entscheidungen über Menschen (Einstellung, Kredit, Zugang, Bewertung)?
  • Ist das Ergebnis extern (Kunden) oder intern (Assistenz)?
  • Gibt’s automatisierte Entscheidungen ohne menschliche Kontrolle?
  • Welche Kontrollen existieren (Protokollierung, Freigabe durch einen Menschen, Schutzregeln für Prompts und Richtlinien)?

Ergebnis: Du weißt schnell, ob es ein schneller Pilot oder ein Governance‑Projekt wird.

Checkliste 1: Anwendungsfall erfassen (zum Kopieren)

KI-Erfassung: Minimaler Fragebogen
  • Geschäftsziel (1 Satz) + erwarteter Nutzen (Zeit/€, Qualität)
  • Nutzergruppe + verantwortliche Person
  • Eingabedaten (öffentlich / intern / vertraulich / personenbezogen)
  • Ergebnis (intern / extern) + Risiko, dass es falsch ist
  • Anbieter/Modell (Toolname, Hosting‑Land, Unterauftragsverarbeiter)
  • Anbindungen (Slack, CRM, Dateien, E‑Mail, Tickets)
  • Freigabe durch einen Menschen: Wo muss jemand bestätigen?
  • Protokollierung/Überwachung (was wird gespeichert, wie lange?)
  • Kriterien, ob der Pilot startet oder nicht

Checkliste 2: Anforderungen an die Erfassungs‑App (in 14 Tagen machbar)

Interne App: Muss / Soll / Kann
  • MUSS: Formular + einheitlicher Eingangskanal (kein Excel)
  • MUSS: Statusübersicht (Eingereicht / In Prüfung / Pilot / Freigegeben / Abgelehnt)
  • MUSS: Rollen für Verantwortliche und Prüfer (Fachbereich/IT/DSB/IT‑Sicherheit)
  • MUSS: Nachweise hochladen + Prüfpfad (wer hat wann freigegeben)
  • SOLL: Einstufungsassistent (Risikomerkmale + Standardempfehlungen)
  • SOLL: Vorlagen für häufige Anwendungsfälle (Hilfe beim Schreiben, Chatbot für den Kundendienst, Zusammenfassung)
  • KANN: automatische Prüfungen (Erkennung personenbezogener Daten, Schutz vor Datenabfluss, Regeln für Prompts)
  • KANN: Export als „Dossier je KI‑Anwendungsfall“ (PDF/ZIP)

14‑Tage‑Plan (realistisch)

  • Tag 1–2: Formular für Anwendungsfälle + Prüfrollen festlegen
  • Tag 3–5: Statusübersicht + Nachweisablage + Prüfpfad
  • Tag 6–8: Einstufungsassistent + Standardregeln für Pilotprojekte (Gebote und Verbote)
  • Tag 9–11: Anbindungen (zentrale Anmeldung per SSO, Slack/Teams, Ticketsystem)
  • Tag 12–14: Export als Dossier + Leitfaden für KI‑Pilotprojekte in den Teams

Die Erfassungs‑App für KI‑Ideen bauen lassen

Wenn du KI schnell testen willst – ohne Wildwuchs

Schick mir:

  • deine Top 5 KI‑Anwendungsfälle (kurz)
  • welche Daten genutzt werden (intern/personenbezogen/vertraulich)
  • wer heute blockiert/freigibt (IT/DSB/IT‑Sicherheit)

Ich baue daraus eine interne Erfassungs‑App für KI‑Ideen, die Pilotprojekte schnell freigibt, Risiken sichtbar macht und dir eine nachprüfbare Spur liefert.

Fragen dazu

Kurz beantwortet

Sollen wir KI erst einmal verbieten, bis alles geklärt ist?

Weder erlauben noch verbieten, sondern einen festen Eingang für KI‑Ideen bauen. Dann hat jede Idee einen Ort, eine verantwortliche Person, einen Status und gesammelte Nachweise — das gibt Tempo und Kontrolle statt Stoppschildern.

Woran erkenne ich früh, ob ein Anwendungsfall heikel ist?

An fünf Fragen: Gehen personenbezogene oder vertrauliche Daten hinein? Beeinflusst die KI Entscheidungen über Menschen? Ist das Ergebnis intern oder extern? Entscheidet etwas ohne menschliche Kontrolle? Welche Kontrollen gibt es schon? Danach weißt du, ob ein schneller Pilot reicht oder ein Governance‑Projekt daraus wird.

Was muss die Erfassungs‑App mindestens können?

Ein Formular als einheitlichen Eingangskanal, eine Statusübersicht von eingereicht bis freigegeben oder abgelehnt, Rollen für Verantwortliche und Prüfer und das Hochladen von Nachweisen samt Prüfpfad. Einstufungsassistent, Vorlagen und automatische Prüfungen kommen danach.

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Attila Arndt · Triple A Digital, Köln

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